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Meine Reise nach The Gambia, Teil 2

Nachdem ich die Kinder und die Familie meines Freundes besucht hatte, stand ein weiteres Ziel auf meiner Wunschliste: ein Besuch in Sotokoi, dem Heimatdorf meines Freundes, das wir mit Hilfe von Spenden unterstützen. Das Dorf liegt tief im Landesinneren von The Gambia – eine Busfahrt von ca. 5 Stunden.

Um 7 Uhr morgens wurde ich von Abdou, dem Taxifahrer, abgeholt. Unterwegs holten wir meinen Begleiter Giki (Mustafa) ab und wurden zur „Bushaltestelle“ gebracht. Was für eine chaotische Situation dort: klapprige Kleinbusse fahren hin und her, voll beladen mit Menschen und Sachen, manchmal haben sie sogar Ziegen auf dem Dach – und mit einem für mich völlig unbekannten Ziel.

So viele Stunden in einen alten Van gequetscht zu sein ist nicht wirklich bequem. Ich schätze, dass 20-25 Leute darin saßen. Und ich kann noch von Glück sprechen, dass wir vorne sitzen durften. Es gab oft Stopps auf dem Weg; Menschen und Güter wurden be- und entladen. In diesen Momenten darf man den Bus nicht verlassen, weil das zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Nur einmal hatten wir eine kurze Pause und konnten raus, um uns die Beine zu vertreten, auf die Toilette (Stehklo) zu gehen und ein Sandwich zu kaufen.

Der Empfang in Sotokoi war Herz erweichend. Die Menschen sind so glücklich und dankbar für das, was wir bisher für das Dorf getan haben. Wir konnten das Schulgeld für 17 Kinder bezahlen. Für die fünf Kinder, die zur Schule in das nahe gelegene Dorf Kudang gehen, wurden Fahrräder gekauft. Außerdem wurde Kleidung verteilt und die Fußballmannschaft unterstützt. Jetzt konnte ich während meines Besuchs von dem Spendengeld sechs Säcke Reis kaufen und sie unter mehreren Familien verteilen. Ein älterer Bewohner des Dorfes sprach mir seinen aufrichtigen Dank aus. Ich war zu Tränen gerührt.

Danach hatte ich die Absicht, einen Spaziergang mit Giki zu machen, aber ein Pferdewagen kam hinter uns her und brachte uns in ein weiter entferntes Dorf, wo wir einen Pferdehändler besuchten.

Wir kamen an einer Reihe von traditionellen Dörfern mit strohgedeckten Rundhütten vorbei. Dort gab es Kinder, die noch nie zuvor einen weißen Mensch gesehen hatten, und einige von ihnen waren völlig erstarrt, als sie mich sahen. Ein Mädchen begann vor Schreck und Angst zu weinen.

Die Landstraße war holprig und es war nicht wirklich bequem auf dem harten Holzsitz, aber der Pferdewagen ist ein gängiges Transportmittel dort. Am nächsten Tag hatte ich immer noch Schmerzen im Gesäß.

Das Leben im Dorf ist sehr kommunikativ. Zusammensitzen und Plaudern ist eine wichtige Aktivität in The Gambia. Schade, dass ich die Leute nicht verstehen kann. Vielleicht sollte ich mal Mandinka lernen.

Angesichts meiner Diabetes und da ich Vegetarierin bin, wusste ich, dass es schwierig sein würde, an den Mahlzeiten im Dorf teilzunehmen. Normalerweise steht (weißer) Reis mit Huhn oder Fisch auf der Speisekarte. Allerdings hatten sie einmal eine Art Couscous mit einer Erdnuss-Mangosauce zubereitet. Das war köstlich. Erdnüsse sind ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt in The Gambia. Man kocht übrigens über dem Holzfeuer.

Die Toilette ist ein Loch im Boden. Und als Dusche dient ein Eimer Wasser, das man mit einem großen Becher über sich gießen kann. Das hört sich primitiv an, war aber jeden Abend sehr erfrischend.

Am nächsten Tag fuhren wir um 8 Uhr zu einem Reisfeld, wieder mit dem Pferdewagen (Au, mein armer Hintern …). Jede Familie hat ihr eigenes Stück Land zur Selbstversorgung. Es gibt zu wenig Land, um für den Verkauf produzieren zu können. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Ort vorbei, an dem Fisch getrocknet wird, und gerade wurde Fisch für den Transport in den Senegal vorbereitet.

Dann besuchten wir eine islamische Schule, die von der Gemeinde selbst gebaut wurde. Leider mangelt es an Klassenzimmern, Tischen, Stühlen und Büchern. Es gibt auch keine Toilette und es steht kein Wasser zur Verfügung.

Am Ende des Nachmittags gab es ein Fußballspiel, das speziell für mich organisiert wurde. Ich fand es traurig, dass sie kein Geld für Fußballtrikots haben. So liefen die Spieler einfach in ihren eigenen Kleidern herum. Für mich war völlig unklar, wer zu welchem Team gehörte. Sie mussten sich für dieses Spiel auch einen Ball von der Fußballmannschaft in einem nahe gelegenen Dorf ausleihen. Deshalb habe ich ihnen das Geld für einen eigenen Fußball gegeben.

Am Abend wurde auf dem Gelände getanzt. Die Kinder kamen aus dem ganzen Dorf, um mit mir zu tanzen – natürlich im afrikanischen Stil. Ich habe mein Bestes gegeben, aber es wurde auch viel über meine „Moves“ gelacht. Mein gambischer Name ist Marjama und im Video könnt Ihr hören, dass die Kinder meinen Name rufen, wenn ich an der Reihe bin. Ich habe diese Nacht wirklich genossen.

Am letzten Tag in Sotokoi machte ich einen Spaziergang mit Gikki. Wir kamen am Friedhof vorbei. Steine werden an der Stelle gelegt, an der jemand begraben liegt. Im Ort arbeiteten Männer an einem Markt für das Dorf. Sie waren damit beschäftigt, die Bausteine für die Gebäude manuell herzustellen …

Und dann war es Zeit um mich zu verabschieden und meine Reise nach Janjanbureh (Georgetown oder Makati in Mandinka) fortzusetzen. Aber Sotokoi und seine Bewohner sind mir in dieser kurzen Zeit lieb geworden.

Spenden (in Form von Geld oder Gütern) sind weiterhin willkommen. Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail über das Kontaktformular.

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